Aderalingua

Die Tür im Baum

A lady opens a door that is in the trunk of a large tree

'Die Tür im Baum' is a B1 level story in German about a person who finds a large tree with a door in it while she is hiking. She opens the door and sees a path that leads to a different world.

After you finish reading the story, answer the ten questions that follow. These questions will help you to start thinking in German.

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Story Vocabulary

Schmetterling butterfly
Rinde bark (of a tree)
Stamm trunk (of a tree)
verwittert weathered
Klinke latch
Hohlraum cavity
Geräusch sound, noise
Gewürzen spices
Eidechse lizard
Schuppen scales
Zuversicht confidence
Kreis Circle
Becken Basin

German Short Story


Listen to the Story


Es war ein später Sommernachmittag, als Lena den schmalen Waldpfad verließ, weil ein Schmetterling sie auf ein unbekanntes Licht aufmerksam machte. Die Bäume wuchsen dicht, und das Rascheln der Blätter verschluckte das Rufen der Leute hinter ihr. Bald merkte sie, dass die vertrauten Spuren verschwunden waren. Die Sonne sank, und eine kühle Stille legte sich über den Wald.

Als sie weiterging, entdeckte sie einen Baum, der anders war als die anderen: seine Rinde war glatt und dunkel, und in seinem Stamm klaffte eine kleine, schmale Tür aus verwittertem Holz. Die Klinke war kalt in ihrer Hand. Neugier überwand die Angst. Sie drückte die Tür auf.

Hinter der Tür lag kein dunkler Hohlraum, sondern ein Pfad aus runden, alten Steinen, der sich durch moosbewachsene Hügel wand. Ein schmaler Nebel schimmerte über dem Boden, und fremde Blumen leuchteten in Farben, die sie nie gesehen hatte. Der Steinweg schien zu warten, als wäre er für sie gelegt worden.

Lena trat auf den ersten Stein. Das Geräusch ihres Schrittes klang anders, voll und weich, als würde der Boden atmen. Mit jedem Schritt veränderte sich die Luft; sie roch nach frischem Regen und süßen Gewürzen zugleich. Der Wald hinter ihr verblasste wie eine Erinnerung, und vor ihr öffnete sich eine Landschaft, die aus Geschichten stammen konnte: Hügel, deren Gräser wie Silberflammen wehten, ein See, der das Licht in kleinen, lebenden Sternen brach, und Bäume, deren Kronen wie Türme geformt waren.

Unterwegs begegnete sie keinem Menschen, aber die Welt war nicht leer. Kleine Vögel mit glasigen Federn schossen vorbei, und eine Eidechse mit funkelnden, blauen Schuppen beobachtete sie neugierig von einem Stein. Lena fühlte keine Einsamkeit mehr; stattdessen wuchs eine leise Zuversicht in ihr. Sie hatte sich verirrt, und doch schien sie genau da zu sein, wo sie hingehörte.

Am Ende des Pfades stand ein offener Platz mit einem Kreis aus Steinen. In der Mitte war ein flaches Becken, dessen Wasser die Form von Erinnerungen annahm, wenn sie hineinschaute. Lena sah darin ihr Gesicht, älter und ruhiger, und eine ganze Reihe von Wegen, die sie noch gehen konnte. Sie verstand nicht alles, aber sie wusste, dass jeder Schritt vor ihr eine Entscheidung war.

Als sie schließlich zurückkehrte, schloss sie die Tür im Inneren des Baumes, ohne den Weg, den sie gegangen war, zu verraten. Der Wald um sie herum war derselbe wie zuvor, doch Lena ging mit einem leisen Lächeln weiter. Das Verlorensein hatte sie an einen Ort geführt, den niemand sonst kannte; ein Geheimnis, das sie bei sich trug wie einen warmen Stein in der Tasche.


Reading Comprehension Exercises

Here are some questions to help you improve your German reading comprehension.