Kapitel 10: Der Tunnel unter der Elbe
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Vocabulary
| der Eingang | entrance |
| feucht | damp |
| der Lichtkegel | the beam of light |
| der Schritt | step |
| die Dunkelheit | darkness |
| der Schatten | shadow |
| das Tropfen | dripping |
| zittern | to tremble |
| eng | narrow |
| die Kälte | cold |
| das Scharren | the scratching / pawing |
Kapitel 10
Listen to the Story
Der Weg führt sie immer weiter nach Osten, bis die Häuser plötzlich enden und ein breiter Platz vor ihnen liegt. Am Rand des Platzes steht ein alter, runder Eingang aus Stein. Über der Tür hängen rostige Buchstaben: „Alter Elbtunnel“.
„Hier geht es unter den Fluss“, sagt Lukas leise.
Jonas schluckt. „Es sieht… sehr dunkel aus.“
Mira tritt einen Schritt näher. „Wir müssen da durch. Der Weg oben ist kaputt.“
Sie stehen einen Moment still. Der Eingang wirkt wie ein offener Mund, der sie verschlingen will. Die Luft ist feucht und kalt. Ein schwacher Wind kommt aus der Tiefe, als würde der Tunnel atmen.
„Zusammen“, sagt Mira.
„Zusammen“, wiederholen die anderen.
Sie treten hinein. Die Dunkelheit schließt sich sofort um sie. Nur Miras kleine Taschenlampe wirft einen schwachen Lichtkegel auf die Wände. Der Boden ist nass, und ihre Schritte machen ein langes, hohles Echo.
Klack… klack… klack…
„Ich mag das nicht“, flüstert Jonas.
„Ich auch nicht“, sagt Lukas. „Aber wir gehen weiter.“
Die Wände sind mit alten Fliesen bedeckt, viele davon zerbrochen. Wasser läuft in dünnen Linien hinunter und sammelt sich in kleinen Pfützen. Von irgendwo tief unten hört man ein langsames Tropfen.
Plink… plink… plink…
Der Tunnel wird enger. Die Luft wird kälter. Der Lichtkegel der Taschenlampe zittert leicht in Jonas’ Hand.
„Hast du das gesehen?“, fragt er plötzlich.
„Was?“, fragt Mira.
„Dort… ein Schatten.“
Lukas dreht sich um. „Da ist nichts.“
Doch Jonas ist sich nicht sicher. Etwas hat sich bewegt—ganz hinten, am Rand des Lichts.
Sie gehen weiter. Der Tunnel macht eine leichte Kurve, und plötzlich wird es noch dunkler. Die Lampe reicht kaum bis zur nächsten Wand. Die Stille ist so tief, dass sie fast drückt.
Dann hören sie es.
Ein Geräusch.
Nicht das Tropfen.
Nicht ihre Schritte.
Etwas anderes.
Ein leises Scharren.
Ganz weit hinten.
Oder ganz nah.
„Bleibt stehen“, flüstert Lukas.
Sie halten den Atem an.
Das Geräusch kommt wieder.
Ein Kratzen, als würde etwas über Stein gleiten.
„Vielleicht… ein Tier?“, sagt Mira, aber ihre Stimme klingt nicht überzeugt.
Jonas spürt, wie sein Herz schneller schlägt. „Wir müssen weiter. Schnell.“
Sie gehen schneller, ihre Schritte hallen laut durch den Tunnel. Der Klang des Kratzens folgt ihnen, mal näher, mal weiter weg, als würde es sich im Echo verstecken.
Endlich sehen sie ein schwaches Licht vor sich—den Ausgang.
„Da!“, ruft Jonas.
Sie rennen die letzten Meter, stolpern fast über den nassen Boden und treten hinaus ins Freie.Draußen ist die Luft frisch. Der Himmel ist grau, aber offen. Hinter ihnen liegt der Tunnel wie ein schwarzes Loch.
„Was war das?“, fragt Jonas atemlos.
Lukas schüttelt den Kopf. „Ich weiß es nicht.“
Mira sieht zurück in die Dunkelheit. „Und ich will es nicht wissen.“
Sie gehen weiter, weg vom Tunnel, während der Wind über den Fluss weht und die Stadt wieder still wird.
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