Kapitel 12: Die Gefahr
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Vocabulary
| die Oberfläche | the surface |
| das Knacken | the cracking |
| der Staub | dust |
| erzittern | to tremble |
| die Spannung | tension |
| der Riss | crack |
| bröckeln | to crumble |
| der Schlag | impact/thud |
| der Schutt | debris |
| der Ausgang | exit |
Kapitel 12
Listen to the Story
Der Morgen ist kühl, als Jonas, Mira und Lukas die Bibliothek verlassen. Die Sonne steht noch tief, und ein sanfter Wind bewegt die Blätter der Bäume, die zwischen den alten Häusern wachsen. Die Straßen sind still, fast friedlich. Es ist ein Moment der Ruhe nach einem langen Tag voller Entdeckungen.
Sie gehen langsam weiter durch die Stadt. Die Gebäude wirken heute weniger bedrohlich, fast freundlich im weichen Licht. Jonas bleibt stehen und betrachtet eine hohe Fassade, an der Efeu wie grüne Finger nach oben klettert. „Es ist schön hier“, sagt er leise. „Traurig, aber schön.“
Mira nickt. „Die Stadt lebt noch. Auf ihre eigene Art.“
Lukas zeigt auf ein großes Gebäude mit breiten Fenstern. „Das sieht stabil aus. Vielleicht können wir dort eine Pause machen.“
Sie treten ein. Der Raum ist weit und hell, gefüllt mit alten Möbeln, die von Staub bedeckt sind. Sonnenstrahlen fallen durch die Fenster und malen helle Streifen auf den Boden. Es wirkt ruhig, sicher—ein Ort, an dem man kurz durchatmen kann.
Jonas geht zu einer Wand und berührt die kalte Oberfläche. „Ich frage mich, wie alt das ist.“
Mira schaut nach oben. „Vielleicht hundert Jahre. Vielleicht mehr.“
Dann hören sie es.
Ein leises Knacken.
Fast unhörbar.
Wie ein kleiner Stein, der sich bewegt.
„Habt ihr das gehört?“, fragt Jonas.
Lukas bleibt stehen. „Vielleicht nur ein Tier.“
Sie gehen weiter in den Raum hinein. Doch das Knacken kommt wieder—diesmal lauter. Ein tiefes, langes Knirschen, als würde etwas Schweres langsam nachgeben.
Mira hebt die Hand. „Wartet.“
Die Luft wird plötzlich schwer. Die Stille ist nicht mehr friedlich, sondern gespannt. Jonas sieht nach oben und bemerkt einen langen Riss in der Decke, der vorher nicht da war.
„Das sieht nicht gut aus“, sagt er.
Ein Stück Putz fällt zu Boden. Dann noch eins.
Plock… plock…
„Raus!“, ruft Lukas.
Sie rennen zurück zum Eingang. Hinter ihnen beginnt die Decke zu bröckeln. Ein lautes Knallen erfüllt den Raum, als ein großer Balken herunterkracht und eine Wolke aus Staub aufwirbelt.
Jonas stolpert, fängt sich aber wieder. Mira zieht ihn am Arm. „Schnell!“
Ein weiterer Schlag.
Dann ein tiefes, donnerndes Geräusch, das durch das ganze Gebäude fährt.
Die Wände erzittern.
Der Boden bebt.
Ein Teil der Decke stürzt ein und schlägt nur wenige Schritte hinter ihnen auf.
Sie erreichen den Ausgang, springen hinaus ins Freie und werfen sich auf den Boden. Hinter ihnen bricht das Gebäude mit einem letzten, schweren Dröhnen zusammen. Eine riesige Staubwolke steigt in den Himmel.
Lukas hustet. „Das… war knapp.“
Jonas zittert. „Ich dachte, wir schaffen es nicht.“
Mira schaut zurück auf den Schutt. „Die Stadt ist schön… aber sie ist auch gefährlich.“
Sie stehen langsam auf. Der Wind trägt den Staub davon, und die Sonne scheint wieder auf die Straße. Doch die drei fühlen sich verändert—wach, aufmerksam, und ein wenig verletzlich.
„Wir müssen vorsichtiger sein“, sagt Lukas.
Jonas nickt. „Ja. Die alte Welt ist nicht nur Wissen und Wunder. Sie kann uns auch verletzen.“
Sie gehen weiter, leiser als zuvor, mit einem neuen Respekt für die Stadt, die sie umgibt.
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